Das menschliche Knie ist eine wahre Meisterkonstruktion der Natur – laufen, Rad fahren, bergauf und bergab wandern, aus der Hocke hochspringen: Gesunde Knie ermöglichen viele Jahrzehnte hindurch optimale Beweglichkeit bei gleichzeitiger Standfestigkeit und stellen sich immer wieder – je nach Erfordernis – von selbst auf größtmögliche Beweglichkeit oder aber Stabilität ein. Da das Kniegelenk ein stark belastetes Gelenk mit relativ kompliziertem Aufbau ist, sind Schäden hier allerdings vergleichsweise häufig. Für die Mitarbeit des Patienten bei der Behandlung von Kniegelenksbeschwerden sind Kenntnisse des Aufbaus und der Funktion wertvoll.

Wir können zwei Gelenke unterscheiden: das Gelenk zwischen Ober- und Unterschenkel und das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel, welches der Strecksehne eine bessere Funktion und Kraftentwicklung ermöglicht. Damit die Last des Oberschenkels gleichmäßig auf den Schienbeinkopf übertragen wird, besitzt das Knie zwei kleine Knorpelscheiben, den Innen- und den Außenmeniskus. Dabei handelt es sich um stark elastische knorpelige Zwischenringe, die sich allen Bewegungen anpassen, Gelenkunregelmäßigkeiten ausgleichen und bei Belastungen als »Stoßdämpfer« wirken.

Stabilität durch Bänder und Muskeln

Zusätzlichen Halt bekommt das Kniegelenk durch die Gelenkkapsel und die Bänder: das Innen- und Außenband sowie das hintere und vordere Kreuzband. Sie garantieren die Stabilität bei Bewegungen des Gelenks. Die Muskulatur unterstützt sie bei dieser Aufgabe. Damit diese ganze Funktion reibungslos vonstatten geht, produziert die Gelenkinnenhaut eine Flüssigkeit, die so genannte Gelenkschmiere. Diese ermöglicht es den am Gelenk beteidigten Knochen, sich fast reibungslos gegeneinander zu verschieben. Die wichtigste Muskelgruppe des Knies ist die am oberen Teil des Unterschenkels befestigte Streckmuskulatur. Bei Knieschmerzen wird sie stark gehemmt, also sozusagen abgeschaltet, und ist dann nicht mehr in der Lage, dem Knie die erforderliche Stabilität zu verleihen. Hält ein solcher Schmerzzustand über längere Zeit an, so kommt es (unter Umständen schon nach wenigen Wochen) zu Rückbildung dieser Muskeln und damit sekundär zu einem Verlust an Leistungsfähigkeit (Kraft, Ausdauer und Koordination).

Ein entscheidender Punkt bei der Behandlung ist somit einerseits die Vermeidung von Schmerzen, um diese Muskeln nicht unnötig zu hemmen, und andererseits ein möglichst intensives Training der Streckmuskulatur.

Gezieltes Training

Ein derartiges Training muss unter fachmännischer Anleitung wie ein sportlichen Training betrachtet werden: Um einen intensiven Erfolg zu erzielen, sind mehrmals tägliche Übungen notwendig, die über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich durchgeführt werden. Besonders zur Vorbereitung auf die Skisaison oder bei Kreuz-bandverletzungen empfiehlt sich ein intensives Muskeltraining, wobei nach Möglichkeit ein geschulter Therapeut die geeigneten Übungen mit dem Patienten durchführen sollte.