Bereits seit Hippokrates wird diskutiert, ob und welche Zusammenhänge zwischen Ernährung und rheumatischen Erkrankungen bestehen. In der Vergangenheit leiteten sich daraus eine Vielzahl von so genannten »Rheumadiäten« ab, die z.T. sehr widersprüchlich sind. Manche versprechen dem Patienten sogar Heilung. Dieser Anspruch ist sicher nicht haltbar, gerade im Hinblick auf die Vielschichtigkeit des rheumatischen Formenkreises. Gleichwohl geben wissenschaftliche Forschungsergebnisse der letzten Jahre Hinweise darauf, dass zumindest bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen, wie beispielsweise der chronischen Polyarthritis, die Beschwerden durch eine geeignete Ernährung gelindert und oft mit Nebenwirkungen behaftete Medikamente gegebenenfalls eingespart werden können.

So zeichnet sich beispielsweise ab, dass zeitweiliges totales Fasten sowie eine lactovegetabile Kost und die Gabe von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl geeignet sind, die Beschwerden zu verbessern. Sie sind jedoch keinesfalls ein Ersatz für eine notwendige medikamentöse Behandlung, sondern stets als unterstützende Therapie zu betrachten.

Für die Auslösung chronischer Gelenkentzündung ist in den letzten Jahren wiederholt die Arachidonsäure mitverantwortlich gemacht worden. Abkömmlinge dieser mehrfach ungesättigten Fettsäure, so genannte Eicosanoide, werden während des Entzündungsgeschehens im Gelenk freigesetzt. Eine Hemmung der Eicosanoide, z.B. mit Medikamenten oder Omega-3-Fettsäuren, bewirkt ein rasches Abklingen der Symptome.

Arachidonsäure wird ausschließlich über tierische Nahrungsmittel zugeführt, nicht jedoch mit pflanzlichen. Die Bildung von Eicosanoiden ist ein oxidativer Prozess, den Omega-3-Fettsäuren und anti-oxidativ wirkende Enzyme hemmen können. Es liegen Untersuchungen vor, dass die Gabe von Omega-3-Fettsäuren in Fischölkapseln und die antioxidativ wirkenden Vitamine E und C sowie die Spurenelemente Selen, Zink, Kupfer und Eisen einen Einfluss auf das Entzündungsgeschehen bei rheumatischen Erkrankungen haben. Sie hemmen dabei die Umwandlung von Arachidonsäure in Eicosanoide, wodurch die Entzündung abnimmt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, die entzündlichen Reaktionen bei rheumatischen Erkrankungen sehr wohl durch eine richtige Ernährung zu beeinflussen.

Konsequenzen für die Ernährung des Patienten

  • Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht zur Entlastung der Gelenke
  • Eventuell kurzfristig fasten (Nulldiät mit täglich 2-3 l elektrolytreichen Getränken, z. B. Mineralwasser)
  • Die Zufuhr von Arachidonsäure durch fettarme, überwiegend lacto-vegetabile-Basiskost vermindern
  • Dabei sind etwa zwei Mahlzeiten pro Woche mit Fleisch und Fleischprodukten zur Deckung des Nährstoffbedarfs erlaubt, wenig Wurst essen.
  • Zwei Seefischmahlzeiten (Lachs, Makrele, Hering) pro Woche zur Deckung des Bedarfs an Omega-3-Fettsäuren einplanen
  • Ausreichend Kalzium aufnehmen (1 g/Tag) zur Osteoporosevorbeugung, bevorzugt aus (mageren) Milchprodukten
  • Tierische Fette vermeiden, dafür hochwertige Pflanzenöle verwenden
  • Vitamin E und C sowie selenreiche Nahrungsmittel verzehren
  • Wenig Alkohol, möglichst viel Bewegung
  • Ausreichende UV-Bestrahlung zur Vitamin-D-Bildung
  • Schonende Zubereitungsmethoden und Garverfahren wählen, um Vitamine und Spurenelemente zu erhalten
  • Medikamentöse Zufuhr von Antioxidantien (z.B. Vitamin E, C und Selen) sowie Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren (nur) nach Absprache mit dem Arzt