Während es ratsam ist, für die Behandlung konstitutioneller Erkrankungen einen erfahrenen Homöopathen aufzusuchen, ist die Selbstmedikation mit Homöopathie für die Sofortbehandlung kleinerer Notfälle im Alltag durchaus empfehlenswert.

Zu diesem Zweck hat es sich bewährt, eine homöopathische Hausapotheke mit einigen Notfallmitteln zur Verfügung zu haben, damit man kleinere Unfälle umgehend behandeln bzw. in großen Notfällen bis zum Eintreffen des Arztes erste Maßnahmen ergreifen kann.

Ein vortreffliches Einsatzfeld für die homöopathische Selbstbehandlung sind typische Urlaubsmissgeschicke wie Sonnenbrand, Sonnenstich und Hitzekrämpfe. Grundsätzlich sollte die Sonne in vorsichtigen Dosen genossen werden, vor allem zu Beginn des Sommers, wenn die Haut hell und noch nicht an längere Sonnenbestrahlung gewöhnt ist. Es ist weitaus gesünder, sich häufiger, aber dafür kurz der Sonne auszusetzen, als stundenlang am Strand zu „schmoren“.

Sonnenbrand

Wenn das Missgeschick aber doch passiert ist und die Haut mit Sonnenbrand reagiert, so ist eine der bestenBehandlungen das Auftragen von Obst- oder Reisessig.

Man bringt den Essig pur – am besten mit einem Zerstäuber – auf die Haut, was einen kurzen, heftigen Schmerz auslöst, der sich aber bald wieder legt. Dafür hat der Patient während der folgenden Nacht keine Schmerzen mehr und der Sonnenbrand heilt narbenlos ab. Ist der Sonnenbrand so heftig, dass es zum Schock kommt, muss der Notarzt gerufen werden. Bis zu seinem Eintreffen gibt man Aconitum C 30. Schmerzlindernd wirkt Causticum C 30, bei extrem starken und brennenden Schmerzen hilft Cantharis C 30.

Hitzekrämpfe

Hitzekrämpfe entstehen durch zu starke Flüssigkeits- und Salzverluste. Wenn während eines heissen Tages, z. B. auf einer Wanderung, die Getränke ausgehen und man zu stark schwitzt, ohne den Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen zu können, kommt es zu einer Erhöhung der Muskelerregbarkeit und dadurch zum Krampf. Hitzekrämpfe sind im Gegensatz zum Wundstarrkrampf unsymmetrisch. Die beste Prophylaxe und Therapie sind ausreichendes Trinken und salzreiche Speisen bzw. die Zufuhr von isotonischen Getränken. Leute, die sich an sehr heissen Tagen lange im Freien aufhalten wie z. B. Bergsteiger, Feldarbeiter, Bauarbeiter usw. sollten unbedingt dafür sorgen, dass sie stets genug zu trinken bei sich haben. Sollte es dennoch zum Hitzekrampf kommen, hat sich Natrium muriaticum D 2 sehr gut bewährt.

Sonnenstich

Zu langer Aufenthalt in der Sonne, häufig in Verbindung mit zu geringer Flüssigkeitszufuhr, kann auch einen Sonnenstich, d. h. den gefürchteten Hitzschlag zur Folge haben. Hierbei kann der Körper nicht so stark schwitzen, wie er es eigentlich müsste, um seine Wärme abzugeben und den Körper abzukühlen. Die Körpertemperatur steigt an, der Patient klagt über Schwindel und Kopfschmerzen, ihm wird übel, oft muss er sich erbrechen und wird sogar bewusstlos. Jetzt muss in erster Linie für eine kühle Umgebung gesorgt werden: Flache Lagerung mit leicht angehobenem Kopf im Schatten oder im Haus. Der Patient erholt sich am besten, wenn man ihm heiße Getränke gibt, da sie das Schwitzen anregen und er auf diese Weise seine Körpertemperatur am schnellsten wieder absenken kann.

Für die homöopathische Behandlung von Hitzschlag stehen mehrere Mittel zur Verfügung. Vor der Mittelgabe muss der Zustand des Patienten sorgfältig beobachtet werden:

Glonoinum C 30:

  • starrer Blick, matte und gläserne Augen
  • berstender und pulsierender Kopfschmerz
  • Gefühl, als wäre die Hirnschale zu klein
  • trockene Haut

Belladonna C 30:

  • roter, heißer Kopf
  • weite Pupillen, glänzende Augen
  • stark pulsierende Halsschlagader
  • trockene Haut

Aconit C 30:

  • nach Einschlafen in der Sonne
  • große Unruhe und Angst
  • trockene Haut

Gelsemium C 30:

  • Benommenheit, Schwäche, Zittern

Veratrum album C 30:

  • Kollaps mit Erbrechen
  • Kälte des Körpers
  • kalter Schweiß auf der Stirn

Eine weitere Komplikation bei zu langem Aufenthalt in der Sonne ist der Hitzekollaps. Durch die hohe Außentemperatur weiten sich die Venen und das Blut versackt in Armen und Beinen. Die Folge ist, dass das Gehirn zu wenig durchblutet wird und deshalb nicht genug Sauerstoff bekommt. Der Patient klagt über Schwindel, Sehstörungen und Ohrensausen. Die typischen Schocksymptome stellen sich ein: Der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck sinkt ab und zuletzt kommt es zum Kollaps. Auch hier gilt: Der Patient muss unverzüglich im Schatten oder einem anderen kühlen Ort flach gelagert werden. Zur schnelleren Erholung stehen folgende homöopathische Mittel zur Verfügung:

Carbo vegetabilis C 30:

  • bei Personen von schwacher Vitalität
  • nach einem reichlichen Mahl an einem heißen Tag
  • bei Schwindel und Kollaps
  • wenn sich die Symptome durch Zufächeln von Luft bessern

Natrium sulfuricum C 30:

  • bei Schwüle und hoher Luftfeuchtigkeit
  • bei Hitzeerschöpfung

Im allgemeinen verabreicht man die Potenz C 30, es sei denn, es wurde ausdrücklich eine andere Potenz angegeben. Meist reicht eine einmalige Gabe, d. h. 1 – 3 Kügelchen (Globuli) oder 2 Tropfen in einem Esslöffel Wasser. Kinder sollten stets eine niedrigere Dosierung erhalten. Homöopathische Mittel dürfen nie mit metallischen Gegenständen in Berührung kommen, da dies einen negativen Einfluss auf die Wirkung des Medikamentes hat. Zur Verabreichung sind deshalb Plastiklöffel empfehlenswert.