Jeder Patient, der bei einem Homöopathen in Behandlung war, hat die Praxis schon mit einem Rezept verlassen, auf dem sich hinter dem Arzneimittelnamen die auf den ersten Blick unverständlichen Bezeichnungen D 6, D 12, C 200, C 1000, LM VI o. ä. befunden haben.

Was verbirgt sich hinter diesen Kürzeln?

Hahnemann fand heraus, dass eine Arznei um so besser wirkt, je stärker ihr „Heilungsprogramm“ von der Materie getrennt wird. Man gibt den arzneilichen Ausgangsstoff auf einen neutralen Trägerstoff, z. B. Alkohol oder Milchzucker, und nimmt nun stufenweise eine immer stärkere Verdünnung des Ausgangsstoffes vor. Dies geschieht bei flüssigen Lösungen durch Schütteln, bei trockenen Materialien durch Verreiben. In der Praxis sieht das folgendermaßen aus:

Herstellung einer Dilution (Tropfen)

Zunächst wird eine Urtinktur (D 1) der Arznei hergestellt, die zu gleichen Teilen aus frisch ausgepresstem Pflanzensaft und Alkohol besteht. Von dieser Urtinktur nimmt man 1 Tropfen in ein Fläschchen und füllt 9 Tropfen Alkohol dazu. Die Mischung wird 10mal geschüttelt.

Danach hat man die Potenz D 2. Das D bedeutet nichts anderes, als dass das Medikament nach dem Dezimalsystem , also im Verhältnis 1 : 10, verdünnt wird. Nimmt man im weiteren Verlauf einen Tropfen D 2 , gibt 9 Tropfen Alkohol dazu und schüttelt wieder 10mal, so entsteht die Potenz D 3. Neben der Verdünnung nach dem Dezimalsystem gibt es auch eine Verdünnung nach dem Centesimalsystem, also im Verhältnis 1 : 100. Hier nimmt man einen Tropfen Urtinktur, fügt 99 Tropfen Alkohol hinzu, schüttelt das Ganze 100mal und erhält danach die Potenz C 1. Gibt man auf einen Tropfen C 1 99 Teile Alkohol und schüttelt erneut 100mal, hat man anschließend die Potenz C 2 usw.

Herstellung von Globuli (Kügelchen) und Tabletten

Will man eine Arznei aus festen Stoffen herstellen, z. B. Metallen oder Salzen, aus denen man keine flüssige Tinktur herstellen kann, so nimmt man als Trägerstoff nicht Alkohol, sondern Milchzucker. D. h. auf einen Teil Arzneistoff kommen 9 bzw. 99 Teile Milchzucker, je nach dem, ob man das Mittel nach der Dezimal- oder Centesimalskala verreiben will. Die Potenzierung geschieht hierbei nicht über Schüttelschläge, sondern durch längeres Verreiben.

Neben der Verdünnung im Verhältnis 1 : 10 oder 1 : 100 erfand Hahnemann am Ende seines Lebens noch die sog. LM-Potenzen, bei denen das Verdünnungsverhältnis von Stufe zu Stufe etwa 1 : 50 000 beträgt. LM-Potenzen wirken sanfter, aber dennoch tiefgreifend. Wegen ihrer extrem hohen Verdünnung müssen sie häufiger eingenommen werden als beispielsweise C-Potenzen.

Hat ein Patient ein Arzneimittel in der Potenz C 200 verschrieben bekommen, so ist dieses Präparat 200mal verdünnt und geschüttelt worden. Da stellt sich die Frage: Wirkt das denn überhaupt noch?

Es wirkt! Durch die zahlreichen Schüttelschläge und Verreibungen ist die „Heilinformation“ des Arzneimittels nicht nur auf den Trägerstoff übergangen, sie wurde darüberhinaus sogar erheblich verstärkt. Nichts anderes bedeutet ja das Wort Potenzierung: Kraftentfaltung, Wirkungsverstärkung. Erfahrene Homöopathen wissen: Je höher die Verdünnung, desto stärker die Information und die Heilwirkung.

Deshalb sind gerade die Hochpotenzen nicht für die Selbstmedikation geeignet und sollten nur von ausgebildeten Ärzten und Heilpraktikern verschrieben werden. Ausgebildete Homöopathen wissen um die Kraft der einzelnen Potenzstufen und können sie im Krankheitsfall individuell auf Ihre Beschwerden abstimmen.