»Wer im Herzen Schmerzen leidet und wem von Seiten des Herzens ein Schwächeanfall (Ohnmacht) droht, der esse sogleich eine hinreichende Menge Galgant, und es wird ihm besser gehen«, schreibt Hildegard von Bingen, die große Heilkundige des Mittelalters. Es ist eines ihrer besonderen Verdienste, den Wurzelstock der Galgantstaude als Herzmittel entdeckt und empfohlen zu haben. Galgant wirkt zuverlässig gegen alle Herzschmerzen vom Typ der Angina pectoris, er wirkt wohltuend wie ein Nitroglycerinpräparat, sowohl was den Schmerzzustand betrifft als auch bei Schwäche- und Schwindelanfällen, die von einer nachlassenden Herzleistung herrühren. Wenn er in schweren Fällen das Nitroglycerin auch nicht ersetzen kann, so eignet er sich doch vorzüglich für die Behandlung leichterer Herzbeschwerden oder für die Begleitbehandlung bei fortgeschrittener Erkrankung.

Galgant bringt rasch und sicher Erleichterung, kann jedoch die Angina pectoris nicht heilen, genausowenig wie viele andere Herzmittel. Der Herzkranke sollte dennoch immer ein Päckchen Galganttabletten bei sich tragen, um jeden Anfall gleich zu Beginn abzufangen. Galgant muss man langsam auf der Zunge zergehen lassen. Dadurch kommt der »Zungen-Herz-Reflex« zustande wie auch beim Nitroglycerin.

Die Pflanze hilft wirkt nicht nur bei Schmerzen, die von einer Herzschwäche herrühren, sondern auch bei Müdigkeit und Erschöpfung, die durch Überanstrengung verursacht wurden. So hilft sie z. B. vorzüglich, wenn man während einer späten Autofahrt wach und aufmerksam bleiben will.

Ein Geschenk des Ostens

Die Galgantstaude ist in China beheimatet, wo sie sowohl als Gewürz wie auch als Heilmittel Verwendung findet. Ihr botanischer Name lautet »Alpinia officinarum«, sie ist ein sogenanntes »Ingwergewächs«, denn sie ist dem Ingwer sehr ähnlich und enthält wie dieser reichlich scharfschmeckende Stoffe und ätherisches Öl.

Die Galgantstaude wird 1,5 m hoch, verwendet wird jedoch nicht das Kraut, sondern der Wurzelstock (Galangae rhizoma), der waagerecht unter der Erde wächst und sich sehr stark verzweigt.

Die Scharfstoffe haben eine krampflösende Wirkung, daher auch ihr erweiternder Effekt auf die Gefäße und insbesondere auf die Herzkranzgefäße. Die Schärfe kräftigt außerdem die Drüsen und regt dadurch den Stoffwechsel und den Schweißfluß an. Menschen, die ständig unter Kälte leiden, wissen die Pflanze zu schätzen, schon Hildegard schrieb: »Galgant ist warm, er hat keine Kälte in sich, dadurch ist er heilkräftig.«

Aufgrund ihrer aktivierenden Wirkung auf die Drüsen wird die Heilpflanze auch gerne bei Appetitlosigkeit, saftlosem Magen und ungenügender Produktion von Verdauungsenzymen im Darm verschrieben. Der Wirkungsmechanismus des Galgants ist pharmakologisch letztlich noch nicht ganz geklärt. Doch lassen sich die Hauptwirkungen etwa folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Normalisierung der Herzfunktion
  2. Verbesserung der Verdauungskraft durch Anregung der Enzymproduktion
  3. krampflösend (spasmolytisch)
  4. entzündungshemmend (antiphlogistisch)

Die Anwendung von Galgant ist unbedenklich, Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Doch ist die Pflanze in einer Hinsicht »mit Vorsicht zu genießen«: Galgant wirkt regeltreibend, kann also bei empfindlicheren Frauen eine frühzeitige Menstruation bzw. bei Schwangeren – insbesondere zu Beginn der Schwangerschaft – eine Fehlgeburt auslösen. In dieser Zeit sollte also auf den Genuß von Galgant, sei es als Gewürz oder als Medikament, verzichtet werden.

In der Apotheke erhält man Galgant als Tabletten, als Tee oder als Tinktur. Galgantwurzel-Tee bereitet man, indem man 2 gehäufte Teelöffel zerschnittene Galgantwurzel mit 250 ml kochendem Wasser aufbrüht, fünf Minuten ziehen lässt und dann abseiht. Zwei bis drei Tassen täglich helfen bei Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche, drohenden Gallenkoliken – und auch nach Diätfehlern. Es muß nicht immer ein Bitterschnaps sein!

Frische Galgantwurzel bekommt man am ehesten in Chinaläden. Sie ist ein ausgezeichnetes Gewürz für Gemüse- und Fleischgerichte, denn sie gibt den Speisen eine scharf-aromatisch-bittere Geschmacksnuance und macht schwere Gerichte bekömmlicher.