Jahrtausende alt ist das Wissen, daß schädliche Stoffe, die durch den Körper zirkulieren, krankmachen. Ebenso alt ist die Erkenntnis, daß es einen Zusammenhang zwischen Körperinnerem und Hautoberfläche gibt. Werden nun die schädlichen Stoffe durch äußerliche Maßnahmen nach außen abgeleitet – daher stammt der Begriff „ausleitende Verfahren“ -, können die Organe des kranken Körpers „gereinigt“ und gesund werden.

Zu den ausleitenden Verfahren zählen vor allem die folgenden:

Das Schröpfen

Die Schröpftherapie wirkt schmerzlindernd und allgemein durchblutungsfördernd; sie aktiviert das Immunsystem und löst Verhärtungen im Haut- und Unterhautgewebe.

Das Schröpfen ist eine Reflextherapie. Dabei werden über Hautzonen Heilreize ausgeübt, die umstimmend auf den Organismus wirken. Beim unblutigen Schröpfen werden gläserne Saugglocken, die Schröpfköpfe, entlang der Reflexzonen auf den Rücken des Patienten gesetzt. Durch das Abbrennen eines in Äther getränkten Wattebausches oder mit Hilfe einer Absaugvorrichtung entsteht ein Vakuum im Schröpfkopf. Durch den Sog auf die Haut weiten sich die Blutgefäße, das Blut kann verstärkt fließen. Beim blutigen Schröpfen wird die Haut vor dem Aufsetzen der Saugglocken ein wenig eingeritzt. Dabei fließt innerhalb von 10 bis 20 Minuten Blut in die Schröpfköpfe. Mit dem Blut werden Giftstoffe aus dem Körper transportiert.

Die wichtigsten Heilanzeigen: Schmerzzustände bei rheumatischen Erkrankungen und Osteoporose – Rücken- und Nackenschmerzen – Muskelverspannungen – Magen- und Darmbeschwerden – Atemwegserkrankungen – chronische Schwächezustände.

Die wichtigsten Kontraindikationen: Nierenschwäche, Erkrankungen mit Blutungsneigung, akute Entzündungen des betreffenden Hautgebietes.

Der Aderlaß

Der Aderlaß verdünnt das Blut, entstaut und reinigt das Blut von „schlechten Säften“ und fördert die Mikrozirkulation des Blutes.

Beim Aderlaß wird Venenblut mit einer Flügelkanüle abgenommen. Die Menge des abgenommen Blutes beträgt zwischen 50 und 150 ml Blut. Die Behandlung, während der der Patient liegen soll, dauert 15 bis 30 Minuten.

Die wichtigsten Heilanzeigen: Stoffwechselleiden (z.B. Gicht, Diabetes mellitus) – Bluthochdruck (bedingt durch Nierenerkrankung oder Arterienverkalkung) – Herz-Kreislaufkrankheiten – zerebrale Durchblutungsstörungen – venöse Stauungen.

Die wichtigsten Kontraindikationen: Anämie, akuter Durchfall, niederer Blutdruck, koronare Herzerkrankungen, allgemeine Köperschwäche.

Die Blutegeltherapie

Die Behandlung mit Blutegeln wirkt entstauend, entgiftend, entzündungshemmend, blutreinigend und blutverdünnend.

Zudem sondert der Egel, ein circa 5cm langes, wurmartiges Tier, in die Bißwunde den Wirkstoff Hirudin ab, der die Blutgerinnung hemmt. Dadurch kann die Wunde länger nachbluten. Während dieser Zeit sickert weiterhin gestautes, dickflüssiges Blut nach. Die Behandlung mit Blutegeln kann dazu beitragen, den Einsatz gerinnungshemmender Mittel zu verringern. Während der Behandlung, die circa eine Stunde dauert, saugt das Tier circa 10 ml Blut ab. Wenn der Egel „satt“ ist, fällt er ab. Während der Nachblutung sickern nach und nach noch einmal circa 20-40 ml Blut ab. Diese Nachblutungen dauern mehrere Stunden. Der Patient muß dabei liegen.

Die wichtigsten Heilanzeigen: Venenentzündungen mit Thrombosen – rheumatische Entzündungen – Gichtanfall – Stauungen in Venen und Lymphgefäßen – Arthrosen.

Die wichtigsten Kontraindikationen: Bluterkrankungen, Krampfaderknoten und Hauterkrankungen an den Applikationsorten.

Das Baunscheidtverfahren

Das Baunscheidtverfahren regt die Stoffwechseltätigkeit und Organfunktionen an, aktiviert das Immunsystem, stimuliert das Hormonsystem und wirkt allgemein kräftigend.

Bei der Behandlung wird ein Apparat, der mit feinen Nadeln versehen ist, über mehrere Hautpartien gerollt. Die Nadeln dringen ein bis zwei Millimeter tief in die Haut ein. Die dabei entstehenden Wunden werden mit hautreizenden Salben oder Ölen bestrichen. Der so erzeugte künstliche Hautausschlag bewirkt, daß Giftstoffe aus dem Körper abgeleitet werden.

Die wichtigsten Heilanzeigen: Schmerzzustände bei Gicht, rheumatischen Erkrankungen und Osteoporose – muskuläre Verspannungen – allgemeine Infektanfälligkeit – Reizmagen und Reizdarm – Harnwegsinfekte – hormonelle Störungen.

Die wichtigsten Kontraindikationen: Allergische und Autoimmunerkrankungen, hohes Fieber.

Das Cantharidenpflaster

Die Behandlung mit dem Cantharidenpflaster wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend, aktiviert das Immunsystem und regt die regionale Durchblutung an.

Bei der Behandlung werden hautreizende Pasten (Vesikanzien) auf bestimmte Hautgebiete aufgetragen und mit einem Pflaster abgedeckt. Dadurch entsteht auf der Hautoberfläche eine entzündliche Brandblase. Nach circa 24 Stunden punktiert der Arzt die Blase und läßt das angesammelte Sekret abfließen. Dadurch werden die schädlichen Stoffe aus dem Körperinneren ausgeleitet und die Entzündung von tiefergelegenen Gelenken und Organen wird gebessert.

Die wichtigsten Heilanzeigen: Gicht – rheumatische Erkrankungen – Arthritis – Arthrose – Wirbelsäulenleiden – Entzündungen – Neurodermitis – chronische Ekzeme – Depressionen.

Die wichtigsten Kontraindikationen: Entzündung der ableitenden Harnwege, arterielle Durchblutungsstörungen, schwere Herzerkrankungen, Bluterkrankungen mit Gerinnungsstörungen. Auch darf die Salbe nie auf offene Wunden, akut entzündete Gelenke und Schleimhäute gebracht werden.